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O.M.G. passiert das gerade wirklich?! Heute ist der Tag, an dem ich zum ersten Mal als „normaler“ Passagier seit meiner Gehirnblutung fliege. Normaler Passagier? Ja, denn als ich nach meiner Gehirnblutung damals zurück nach Deutschland geflogen wurde (da ich in Australien für den Urlaub war), musste ich die ganze Zeit liegen. Naja, wenn man einen Rollstuhl und Hilfe benötigt, denkt man eigentlich nicht mal im Traum daran, rumzureisen – so war es jedenfalls für mich. Und deswegen möchte ich euch hier von meinen Erfahrungen erzählen, damit sie euch helfen können und ihr dann auch keine Angst vor dem Reisen mehr habt!

Airlines vor dem Flug informieren

Ganz wichtig ist es natürlich, die Airline über die Beeinträchtigung zu informieren. Am besten, wenn man die Tickets bucht. So ist die Airline informiert und hoffentlich nicht überfordert, wenn sie dann einen gehandicapten Menschen am Flughafen sieht. Da es sich bei dieser Reise um eine Gruppenreise handelte, musste ich mich nicht um die organisatorischen Sachen kümmern. Dennoch möchte ich sie kurz anschneiden, damit ihr eine ungefähre Vorstellung von dem Ablauf habt.

Die Anmeldung der benötigten Hilfeleistung kann immer erst nach einer Buchung geschehen, da die Buchungsnummer benötigt wird. Diese Hilfe könnt ihr meistens telefonisch unter der Service-Hotline oder online über Formulare anmelden. Informationen werdet ihr aber immer auf der Homepage der jeweiligen Fluggesellschaft finden. Und je nachdem was für eine Behinderung ihr habt, gibt es auch bestimmte Codes, die ihr bei der Anmeldung angeben könnt.

BetreuungscodeBeschreibung
WCHRFluggast kann kurze Wege gehen und auch Treppen steigen
WCHSFluggast kann kurze Wege laufen, aber nicht Treppen steigen
WCHCFluggast kann nicht selbständig laufen und nicht Treppen steigen
BLNDSehbehinderter oder blinder Fluggast
DEAFGehörloser, hörgeschädigter oder taubstummer Fluggast
DPNAFluggast mit geistiger Behinderung oder Beeinträchtigung der Lernfähigkeit

Auf jeden Fall seid ihr auf der sicheren Seite, wenn ihr euren Code kennt und den angeben könnt! Abgesehen von der Tatsache, dass ihr die Hilfeleistung anmelden müsst, solltet ihr auch genug Zeit für den Check-In einplanen!

So lange wie möglich im eigenen Rollstuhl sitzen

Unser mitfahrender Lehrer hatte schon mal einen Rollstuhlfahrer begleitet und erzählte uns dann, wie wichtig es sei, darauf zu bestehen, so lang wie möglich im eigenen Rollstuhl sitzen bleiben zu dürfen. Denn er hatte schon miterlebt, wie der Rollstuhl beim Transfer verloren gegangen ist und erst später zum Besitzer zurückkehrte. Und da wir nicht wollten, dass das passierte, bestanden wir auch darauf, dass ich erst vor dem Einstieg ins Flugzeug umsetzten.

ENSA-Projektgruppe am Flughafen Frankfurt

Da standen wir nun in der Schlange des Check-In Schalters. Ein anderer wichtiger Tipp: Seid früh genug am Flughafen. So habt ihr genug Zeit um das Personal nach Hilfe zu fragen und ihnen zu erzählen, wobei ihr alles Hilfe benötigt. Oft bevorzugen die Fluggesellschaften es, wenn ein Mensch mit Behinderung zuerst das Flugzeug betritt und aber auch als letzter das Flugzeug verlässt. Dies hat einen einfachen Grund – so wird nachfolgenden Gästen der Weg nicht blockiert. Kann ich total nachvollziehen. Denn es ist halt blöd, wenn man irgendwo unnötig stecken bleibt. Jedenfalls erschien dann ein Mitarbeiter, der uns am Schalter abholte und uns an das Gate brachte. Von dort an musste ich auf einen speziellen schmalen Rollstuhl umsetzen, mit dem ich dann durch die schmalen Gänge im Flugzeug geschoben wurde. Mein eigentlicher Rollstuhl wurde derweil von fleißigen Mitarbeitern ins Flugzeug verfrachtet. Das Personal war super freundlich und sie halfen mir sogar beim Umsetzen. Da ich zum Glück etwas stehen konnte, gestaltete sich der Transfer recht einfach. Also ich kann sagen, dass das Personal bei „China Southern Airline“ 1A-Klasse ist. Die packen mit an und sind sehr hilfsbereit.

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Wie funktioniert das jetzt mit der Toilette?

Der gesamte Flug dauerte 12 Stunden. Und nun fragt ihr euch vielleicht, ob es möglich ist auf Toilette zu gehen. Nunja, mein Sitzplatz befand sich direkt neben der Toilette. Natürlich war es extrem nervig, dass die Toilettentür die ganze Zeit auf und zu ging, aber der Platz vereinfachte auf jeden Fall den Gang zur Toilette. Ich musste eigentlich nur aufstehen und stehen, meine Assistenz musste mich etwas anheben und in die passende Richtung drehen, und dann saß ich auch schon auf der Toilette.

Dummerweise konnte ich meine Beine nicht vollständig in die Toilettenkabine reinziehen, da die Toilettenkabine echt winzig ist und meine spastischen Beine den Platz für sich beanspruchen wollten. Hier half mir die Assistenz aus, sie stand einfach direkt vor der Tür um mir etwas Privatsphäre zu sichern. Nach einem Abendessen, mehreren guten Kinofilmen und einem tiefen Schlaf, verging mein erster Tag der Reise in der Luft.

Drei Dinge, die ich an diesem Tag gelernt habe:

1) Erwähnt bei der Buchung, dass ihr auf einen Rollstuhl angewiesen seid und Hilfe braucht
2) Seid früh genug am Flughafen
3) Versucht einen Platz nahe der Toilette zu buchen, um es einfacher zu haben

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